Informationen
Autor: Tokuro Nukui
Sprache: Deutsch
Titel: Tokyo: Schwarzer Sommer
Reihe/Einzelband: Einzelband
Seiten: 480
Verlag: Lübbe
Vorliegenden Ausgabe: Gebunden, Juni 2026, 978-3757702212, 22€
- Auflage mit Farbschnitt
Inhaltsangabe
Eine fesselnde Reise ins finstere Herz Japans …
Tokyo, 1990. Eine Serie rätselhafter Kindesentführungen versetzt die Bewohner der Metropole in Angst und Schrecken. Als die Leiche eines der verschwundenen Mädchen wenig später aus einem Fluss geborgen wird, bangt ganz Tokyo um das Leben der Kinder. Während ein verzweifelter Vater Zuflucht in den Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht und immer tiefer in den dunklen Sog ihrer Heilsversprechen gerät, wächst der Druck auf die Ermittler. Kommissar Saeki und sein Kollege Okamoto wissen: Die Zeit drängt, und sie haben keinerlei Anhaltspunkte zu Täter oder Motiv. Doch dann stößt Okamoto auf eine vielversprechende Spur – zu einem Mörder, der nichts mehr zu verlieren hat …
Das gefeierte Debüt des japanischen Bestsellerautors – ein außergewöhnlicher psychologischer Thriller, der die dunklen Abgründe der modernen Großstadtgesellschaft und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele schonungslos offenlegt
Meine Gedanken
In Büchern akzeptiere ich wirklich viel, aber Tierleid geht für mich absolut gar nicht. Wäre ich nicht schon fast am Ende des Buches gewesen, hätte ich hier konsequent abgebrochen. Konkret geht es um das Opfern von Hühnern und das Verhungernlassen eines Welpen. Das ist wirklich schade, denn ansonsten hätte das Buch definitiv einen Platz in meinem Regal bekommen.
Zu Anfang dachte ich, der Fahrplan sei wirklich eindeutig und ich wüsste bereits, worauf das Buch hinauswill. Fehlanzeige. Der Plottwist wurde tatsächlich spannend umgesetzt. Es wird sich auf nur wenige Charaktere konzentriert, wodurch die Wendungen innerhalb ihrer Geschichten gut zur Geltung kommen. Auch die Schauplätze bleiben überschaubar.
Die Geschichte wird kapitelweise aus zwei Perspektiven erzählt: aus der des im Klappentext erwähnten verzweifelten Familienvaters Matsumoto und aus der von Saeki.
Alles in allem wurde das Thema „Sekte“ gut aufgegriffen. Ich habe auf diesem Gebiet zwar kein tiefgreifendes Wissen, doch insgesamt bestätigt das Buch eher das, was man über Sekten hört und zwar in ihrer ganzen negativen Bandbreite. Ob das der Realität entspricht, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen.
Das Thema der psychischen Gesundheit wird ebenfalls angerissen. Verlust kann dazu führen, dass der Mensch Dinge tut, die er selbst auch nicht für möglich gehalten hätte, denn Glauben kann Berge versetzen.
Wie schon im Buch „Feuerwagen“ wird teilweise fast schon lehrhaft auf bestimmte Strukturen der Sekte eingegangen. Dadurch hatte ich stellenweise eher das Gefühl, ein Sachbuch zu lesen. Zudem wird die Übersetzung der japanischen Sprache nicht gerecht. Die Sätze wirken teilweise sehr gestelzt und insgesamt unnatürlich. Dadurch fiel es mir auch eher schwer, in das Buch hineinzufinden.
Insgesamt führt für mich, trotz der guten Geschichte (abgesehen vom Tierleid), die sachbuchhafte Erzählweise zusammen mit der gestelzten Sprache zu einem soliden Leseerlebnis: 3 von 5 ⭐️


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